SHR, Pulsdauer, Fluenz & Spotgröße einfach erklärt (laienverständlich)

TL;DR

  • SHR = Super Hair Removal: „In-Motion“-Arbeitsweise mit niedrigerer Energie pro Puls, hoher Wiederholrate und Gleiten über die Haut. Ziel: gleichmäßiges, schonendes Aufheizen des Haarfollikels.
  • Pulsdauer (ms): Wie lange der Lichtimpuls anliegt. Längere Pulse schonen die Hautoberfläche, kürzere Pulse „packen“ dickere Haare kräftiger – nur, wenn die Haut es zulässt.
  • Fluenz (J/cm²): Energie pro Fläche. Zu wenig → kein Effekt. Zu viel → Nebenwirkungsrisiko.
  • Spotgröße (mm): Durchmesser des Lichtfelds. Größerer Spot = tiefere, gleichmäßigere Penetration & schnelle Flächenleistung; kleiner Spot = präziser, aber langsamer.

Merksatz: Ergebnis = Anamnese + richtige Parameter + UV-Plan + Nachsorge – nicht „Max-Power“. 


So merkst du’s dir: Alltagsvergleiche

  • Pulsdauer = Bratzeit: Zu kurz → außen zu kalt, innen roh (keine Wirkung). Zu lang/heiß → außen verbrannt (Irritation). Genau richtig → innen gegart (Follikel erwärmt), außen schonend.
  • Fluenz = Temperatur: Ohne Temperatur passiert nichts; zu heiß wird’s gefährlich.
  • Spotgröße = Topfgröße: Kleiner Topf = punktgenau, aber langsam. Großer Topf = mehr auf einmal, gleichmäßiger.
  • SHR = Köcheln statt Schockhitze: Viele kleine Impulse, die zusammen die „Kerntemperatur“ sanft hochbringen.


Was ist SHR genau?

SHR ist kein eigenes Gerät oder eine neue Wellenlänge, sondern eine Arbeitsweise/Protokoll:

  • In der Regel niedrigere Fluenz + hohe Pulswiederholung + Gleitbewegung über das Areal.
  • Ziel: gleichmäßiges Aufheizen der Zielstruktur (Follikel) mit guter Hautverträglichkeit, besonders bei größeren Flächen und empfindlicher Haut.
  • Wichtig: Tempo & Überlappung müssen stimmen. Zu schnell → zu wenig Energie; zu langsam/zu viel Überlappung → Überhitzung möglich.
  • SHR ist kein Ersatz für saubere Parametrik – es ergänzt sie.


Pulsdauer (ms) – wie lange „wirken“ wir?

  • Kurz (z. B. 10–20 ms): kräftiger „Biss“ für dickere, dunkle Haare; höhere Anforderung an die Kühlung und Hauttyp.
  • Mittel bis lang (z. B. 20–100+ ms): hautschonend, sinnvoll bei höheren Hauttypen, empfindlichen Arealen oder feinerem Haar (sofern Fluenz stimmt).
  • Praxis: Wir starten konservativ (Testimpuls) und passen die Pulsdauer an Haarstärke & Hautreaktion an.


Fluenz (J/cm²) – die Dosis

  • Zu niedrig → die Haarwurzel bleibt unterkritisch erwärmt → wenig Effekt.
  • Passendeffektive Erwärmung des Follikels, geringes Risiko.
  • Zu hochVerbrennungen/Pigmentverschiebungen möglich – v. a. bei UV-Exposition, Medikamenten (Photosensitizer) oder falscher Hauttyp-Einschätzung.
  • Praxis: Fluenz hängt von Hauttyp, Haarfarbe/-stärke, Areal, Kühlung und Spot ab – nicht von Mut.


Spotgröße (mm) – warum größer oft gleichmäßiger ist

  • Großer Spot reduziert Streuung in der Haut → tiefer & gleichmäßiger; auf großen Arealen (Beine, Rücken, Brust/Bauch) effizient.
  • Kleiner Spot ist präzise für Detailzonen (z. B. Randführung, kleine Inseln), aber langsamer.
  • Praxis: Wir kombinieren – groß für die Fläche, klein für Kanten & sensible Übergänge.


Praxis-Drehbuch bei All Skins: Wie wir Parameter finden

  1. Anamnese & Hautcheck: Hauttyp (Fitzpatrick), Haarstärke, Medikamente (z. B. Retinoide/Antibiotika), UV-Historie, Reibung (Sport/Kleidung).
  2. Testimpuls: konservativer Start → Hautreaktion beobachten (Erythem, Perifollikuläre Schwellung).
  3. Moduswahl: SHR/In-Motion bei großen/empfindlichen Arealen und höherem Hauttyp; statisches Arbeiten bei starkem, dunklem Haar oder kleinen Zonen.
  4. Feinjustierung: Pulsdauer/Fluenz an Haarstärke & Reaktion anpassen; Spotgröße nach Areal wählen; Kühlung sichern.
  5. UV-Plan: 4 Wochen vor & nach jeder Session keine direkte Sonne/Solarium im Areal; SPF 50+ täglich.
  6. Nachsorge: kühlen, nicht reiben, 2–3 Tage keine Sauna/heiße Bäder/Peelings; zwischen den Terminen nur rasieren (nicht wachsen/epilieren).

Sicherheit geht vor (immer)

  • Nie auf frisch gebräunter Haut arbeiten.
  • Medikamente offenlegen (z. B. Isotretinoin, Tetrazykline, Johanniskraut – Photosensibilität/Heilung!).
  • Sitzungszahl ist individuell (Areal, Haardichte, Haar/Haut, Hormonlage, UV-Disziplin). Spannen statt Fixzahlen – alles andere ist Marketi.

Häufige Fehler – und wie Kund:innen sie vermeiden

  • „Heim-IPL als Booster“ zwischen Studio-Terminen → uneinheitliche Energie, Risiko statt Nutzen.
  • Waxen/Epilieren zwischen Sessions → entfernt die Zielstruktur (Wurzel) → Laser greift ins Leere.
  • UV-Regel ignorieren → Pigmentrisiko nach oben, Energie muss runter → mehr Termine.
  • Zu schnelles SHR-Gleitenzu wenig Energiedichte; zu langsames Gleiten → Überhitzung. Deshalb: Tempo & Überlappung exakt nach Plan.

Mini-FAQ

Ist SHR „besser“ als klassisches Lasern?
Kommt auf Haut/Haar/Areal an. SHR ist schonend & flächeneffizient, klassisches statisches Arbeiten kann bei dickem, dunklem Haar punktuell schneller greifen. Wir wählen situativ.

Welche Werte sind „richtig“?
Es gibt keine Pauschalwerte. Anamnese, Testimpuls, Reaktion und UV-Plan bestimmen die Parametrik – nicht Tabellen aus dem Internet.

Woran merke ich, dass eine Sitzung gut eingestellt war?
Kurzfristig milde Rötung/Wärme, ggf. perifollikuläre Schwellung, später Shedding (Haare fallen 1–3 Wochen nach der Sitzung aus). Starke Schmerzen/Blasen sind kein gutes Zeichen → sofort melden.


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Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Vorerkrankungen, unklaren Hautveränderungen oder Medikation bitte ärztlich abklären.